Im Schuljahr 2010/11 gründeten Thomas Wörner und Thomas Rienth, beide Technische Lehrer und anscheinend unheilbar mit dem Radvirus infiziert, die Fahrrad AG. Mit dem Anspruch möglichst alle Schüler, egal wie schwer ihre Behinderung ist, aufs Rad und in Bewegung zu bringen, wurde im Sommer 2010 mit viel Enthusiasmus und noch mehr Blauäugigkeit gestartet. Unser Fuhrpark bestand, wie an den meisten Schulen, aus gespendeten, ausrangierten, eigentlich nicht mehr fahrbaren „Gurken“ und völlig abgewirtschafteten „Spezialrädern“. Selbst ausgiebige Tuningversuche machten die Kisten nicht schneller oder besser.










Trotzdem wurde geradelt und der Radius erweiterte sich langsam aber sicher – bis zum ersten Unfall. Gott sei Dank passierte nichts Schlimmes, doch plötzlich war klar: So geht das nicht weiter, das ist unverantwortlich. Es wurden daraufhin alle Fahrradgeschäfte im Landkreis nach geeigneten Rädern durchstöbert, bis wir endlich bei Pedalkraft Eberhard in Bietigheim unser Paradies fanden. Ein Laden voll mit Rädern, die nicht nur den Handicaps unserer Schüler gerecht werden, sondern auch noch toll aussehen.






Der Förderverein wurde überzeugt und so wurden wir stolze Besitzer eines Liegedreirades und eines sog. Stufentandems der Firma Hase. Weitere Spenden kamen hinzu und wir erweiterten unseren Fuhrpark langsam, aber sicher. Die Touren wurden länger, der Teamgedanke immer wichtiger und der Zugewinn an Selbstvertrauen, Leistungsbereitschaft, Leistungsvermögen und Freiheit war unübersehbar.






Dann wurde die Fa. Hase auf uns aufmerksam, besuchte uns und war so begeistert von den Möglichkeiten, die sich, unter anderem durch ihre Räder, unseren Schülern auftun, dass sie eine Fotostory über uns in ihrem Katalog veröffentlichte (siehe unten). Seither sind wir in engem Kontakt mit der Firma Hase, entwickelten mit ihnen die sog. Hase Challenge Weeks, bei denen Schulen wie unsere, über mehrere Wochen mit Rädern ausgerüstet werden, um ihnen die Möglichkeiten aufzuzeigen, die sich ergeben wenn man die Schüler mit entsprechenden Rädern versorgt. Diese Veranstaltungen werden seither mit großem Erfolg durchgeführt, die Termine sind begehrt.

 

Als Weihnachtsgeschenk wurde uns von der Fa. Hase dann ein nagelneues Trix Liegedreirad überreicht – Danke!

 

Es folgten ein paar Veröffentlichungen in Zeitschriften (Handicap, Aktiv Radfahren) und aktuell (2016) sind wir wieder im Katalog mit unserer Alpenüberquerung (siehe auch www.hasebikes.com).







2011 starteten wir dann auch unsere erste wirklich große Tour. Es ging von Eppingen aus entlang des Elsenzradweges bis nach Heidelberg, wo wir auf den Rest der Berufsschulstufe trafen und gemeinsam unser Schullandheim verbrachten. Alle zweifelten an uns, doch es kamen alle wohlbehalten und erschöpft, aber ungeheuer stolz am Ziel an.






Im Schuljahr 2011/12 stieß dann noch Frau Stader zu unserer Truppe und seither wird die AG von diesem Spitzenteam geleitet.

 

Seit unserer ersten großen Fahrt gehören die Räder zum festen Bestandteil unserer Schullandheime und werden sehr gerne für Ausfahrten genutzt. Auch im Sportunterricht werden die Räder oft eingesetzt und bringen Schüler in Bewegung, die sich sonst sehr wenig zu Sport überreden lassen.

 

Durch weitere Spenden ist unser Fuhrpark inzwischen beeindruckend und wir sind auch in der Lage, Schüler mit schwerer und mehrfacher Behinderung an unserem Angebot teilhaben zu lassen.







Was ist nun so besonders an der ganzen Sache? Warum wollen jedes Jahr 3x mehr Schüler in die AG als wir aufnehmen können? – Das ist eine Frage, die wir uns natürlich auch gestellt haben. Hier die einfache Antwort: WIR FAHREN EINFACH NUR FAHRRAD!!!!

 

Im Detail betrachtet ist es allerdings schon etwas mehr:

 

Das Leben unserer Schüler ist größtenteils fremdbestimmt, sie haben nicht oft die Möglichkeit selbst zu entscheiden, was sie jetzt tun. Anders verhält sich dies, wenn sie auf einem Fahrrad sitzen – allein. Sie selbst entscheiden, ob sie schnell oder langsam fahren, ob sie nach links oder rechts fahren oder ob sie bremsen oder nicht. Wir als Lehrer machen zwar Vorgaben, doch weder erreichen wir ihren Lenker noch ihre Bremsen – sie entscheiden – auch wenn uns diese Entscheidung manchmal den Schweiss auf die Stirn treibt.

 

Sie lernen, sich selbst besser einzuschätzen und haben gleichzeitig die Möglichkeit ihre Grenzen ständig zu erweitern – das gibt Selbstvertrauen!

 

Das Team bestimmt das Tempo und die Entfernung, die zurückgelegt wird. Nur zusammen kommen wir voran. Das heißt, Hilfe für schwächere Mitschüler wird selbstverständlich und wird mit positiven Erlebnissen belohnt. Es wird sich gegenseitig motiviert und es wird Rücksicht genommen – Sozialkompetenz!






Es finden auf unseren Ausfahrten ständig Begegnungen mit Menschen statt, die sich über uns wundern und sich an uns erfreuen. Es steht nicht die Behinderung im Vordergrund, sondern die Leistung trotz der Behinderung. Zudem finden alle unsere Fahrzeuge cool, sind interessiert und möchten sie am liebsten selbst ausprobieren.

 

Wir legen Wert darauf, dass die Schüler Verantwortung übernehmen. Gute Radfahrer nehmen Mitschüler oder uns Lehrer auf den Tandems mit, sind der „Chef“ oder steuern manchmal bis zu 4 zusammengehängte Liegedreiräder. Diese „Steuermänner“ übernehmen die Verantwortung für sich, drei Mitschüler und Räder im Wert von ca. 14 000 € - das macht sie stark und stolz!

 

Die Bewegung bringt Fitness, die Beweglichkeit und Koordination werden ständig verbessert und die Muskulatur wird gestärkt. Therapie nicht von außen, sondern selbstmotiviert!

 






In einem Satz:




Bilder und Eindrücke aus der AG Fahrrad im Schuljahr 2015/2016










Der Schwerpunkt liegt eindeutig im praktischen Fahrtraining. Neben der Verbesserung der sportlichen Kondition nimmt das Einüben von sicherheitsrelevantem Verhalten im Straßenverkehr einen großen Stellenwert ein. Dazu gehört das Fahren in einer vorgeschriebenen Spur, das Fahren und Schalten am Berg sowie das Beachten von einfachen Verkehrsregeln im Straßenverkehr.

Die Verkehrserziehung findet zunächst in der Theorie statt, indem anhand von Bildern die für Radfahrer wichtigen Verkehrszeichen und -situationen besprochen werden.

Außerdem werden die Schüler in technische Belange eingeführt und zu kleineren Reparaturen angeleitet.

 

 


Firma Hase Bikes

Anbei sehen Sie zwei Seiten aus dem Katalog von www.hasebikes.com, unserer Partnerfirma.

(mit freundlicher Genehmigung von www.hasebikes.com)





21. Juni: Schulkonferenz

20:00 Uhr, Aula

 

2. bis 6. Juli: Hospitationswoche

für zukünftige FSJler und Sozialpraktikanten

 

7. Juli: Benefizkonzert bei Pflanzen Mauk

20:00 Uhr

 

8. Juli: Bocciaturnier des Rotary Clubs

Bürgerpark Anstatt, ab 11:00 Uhr