Die Familienklasse der Kaywaldschule

 

Was versteht man unter einer Familienklasse?

 

Hauptmerkmal einer Familienklasse ist das Zusammensein von älteren und jüngeren Schülern, ähnlich der Situation in einer Familie (Altersheterogenität). Die Familienklasse ist ein Bemühen, Schülern mit hohem Förderbedarf im Verhaltensbereich eine neue Form der Integration zu bieten und damit gleichzeitig eine neue Lernumgebung zu schaffen.

Momentan arbeiten wir in der Familienklasse zu dritt, ein Lehrer und zwei Lehrerinnen, dadurch wird in der Regel eine Doppelbesetzung des Unterrichtes möglich.

 

Warum haben wir uns dafür entschieden, diese Möglichkeit auszuprobieren?

 

Auch bei uns gab es immer wieder Schüler, bei denen wir vor der Frage standen, in welche Klasse sie am besten passen und trotz mehrfachen Versuchen, sie in Klassen zu integrieren, konnte für sie keine befriedigende Lösung geschaffen werden. In dieser Situation stießen wir auf die Form der Familienklasse.

Unsere Idee war, dass das Verhalten eines Schülers über soziale Integration beeinflusst werden kann und dies leichter in altersgemischten Klassen umgesetzt werden könnte. Konkurrenzkämpfe mit Gleichaltrigen werden vermindert oder fallen weg . Dadurch wird Aufmerksamkeit und Energie zum Lernen frei.

Weiter ist die altersgemischte Gruppenstruktur die ursprünglichste Lebensform. Daraus ergibt sich eine natürliche Ordnung die das Zusammenleben einfacher und durchschaubarer werden lassen. Durch unterschiedliche altersentsprechende Aufgaben und Angebote (Konfirmandenunterricht, Werkstufenpraktikum) erleben die Schüler/innen ihr unterschiedliches Alter und die damit verbundenen Möglichkeiten und Rechte im Zusammenleben innerhalb der Klasse.

Wir haben die Erkenntnis gewonnen, das unser heterogenes Lehrerteam eine wichtige Grundlage unserer Arbeit darstellt, denn

dadurch kommt auch hier das Familienprinzip zum Tragen.

 

 

Bei der Umsetzung in unserer Klasse haben wir folgenden Schwerpunkt gelegt:

 

Sozialkompetenz als erstes und oberes Leitziel in unserer Familienklasse

 

 

Sozialtraining

- hierbei werden Umgangsformen regelrecht eingeübt, Schüler erleben sich als Partner, als Teil einer Kleingruppe , als Teil der Gesamtgruppe oder als Leiter einer Aufgabe.

 

Sensibilisierung für soziale Handlungen im Alltag

- wer hat etwas für einen Mitschüler oder die Gemeinschaft unaufgefordert getan ? Dies wird in einer täglichen Feedback - Runde thematisiert und mit einem offiziellen Dank der Gruppe wertgeschätzt.

 

- in dieser Runde werden auch negativ wirkende Verhaltensweisen besprochen, bewertet und Lösungsmöglichkeiten gemeinsam erarbeitet.

 

Wir kommen grundsätzlich immer nach der großen Pause und am Ende des Schultages zu dieser Runde zusammen.

 

Teamarbeit:

- Die Schüler sollen die Bereitschaft entwickeln, auch über persönliche Vorlieben hinaus mit anderen Mitschülern für eine vorgegebene Aufgabe in begrenzter Zeit zusammenzuarbeiten. Dadurch erhalten die Schüler die Chance, sich untereinander besser kennen zu lernen, zu verstehen und zu verständigen . Daraus können sich neue Beziehungen entwickeln.

Eine Gelegenheit bietet uns hierzu das Schülerrestaurant: die Schüler sollen mit Hilfe

eines Losverfahrens ihre Arbeitspartner finden.

 

Projektarbeit:

Die Projektarbeit als Methode bietet sich in besonderem Maße an, weil sich hier Schüler und Lehrer zusammen einer gemeinsamen Aufgabe stellen, die sie in einer bestimmten Zeit bewältigen wollen. Dies erleben wir ebenfalls in unserem wöchentlichen Restaurantprojekt sowie im Werkunterricht. Hierbei erleben sich die Schüler in einer realen Alltagssituation , die nur funktioniert, wenn jeder seine Aufgabe zielgerichtet im Team wahrnimmt und zu Ende bringt, da das Produkt zu einer vereinbarten Zeit fertig sein muss.

An dieser Stelle wollen wir noch einmal auf unser wöchentliches Sozialtraining hinweisen, das uns als Übungsfeld dient, um soziale Verhaltensweisen bewusst erleben zu lassen und einzuüben.

 

Förderung der Kreativität:

Wir sind der Meinung, dass die Entfaltung der Kreativität notwendigerweise zur Lösung sozialer Konflikte beiträgt. Deshalb besteht täglich die Möglichkeit, sich mit unterschiedlichstem Material kreativ auseinander zu setzten.

 

(Text und Bilder: T. Brunner).

 

 

 

 


Projekt Musik und Gedicht



Ein wichtiger Baustein im Deutschunterricht der Familienklasse stellt der Bereich „Musik & Gedicht“ dar.

Im Bildungsplan der Schule für Geistigbehinderte ist dieser Unterrichtsinhalt einerseits der Dimension „Lesen und Schreiben“ mit dem Themenfeld „Sprechen und Schrift“, aber auch der Dimension „Literatur und Medien“ mit dem Themenfeld „Literatur“ zugeordnet.

Seit einigen Jahren beschäftigen wir uns im Unterricht mit monatlich wechselnden klassischen Musikstücken und Gedichten, wie z.B. das bekannte Frühlingsgedicht von E.Mörike: „Frühling lässt sein blaues Band“ oder auch ein Wintergedicht von R.M. Rilke über den verschneiten Tannenwald. Ganz oft jedoch werden wir bei Josef Guggenmos fündig, der auf humorvolle, kindgerechte Weise eindrückliche Gedichte verfasst hat. Diese Arbeitsweise ist täglicher Bestandteil unseres Unterrichts.

 

Mit Hilfe von monatlich wechselnden Musikstücken und Gedichten stimmen wir uns jeden Morgen auf die gemeinsame Zeit in der Schule ein. Das Monatsgedicht wird im Rahmen des Deutschunterrichts weiter vertieft:

- als tägliche Sprach- und Sprechübung: durch die Reime und das Versmaß erleben die Schüler eine Rhythmisierung von Sprache und gleichzeitig ordnet sich der Einzelne im gemeinsamen Sprechen auch in die Gruppe ein

- zur Erweiterung des Wortschatzes z.B. differenzierte Betrachtung der Substantive und ihrer Artikel in Form von Wortspielen, aber auch dem Anlegen und Führen eines eigenen Wörterbuches

- Arbeitsblätter in Form von Lückentexten

- das Erstellen und Führen eines Gedichtordners, in dem alle Gedichte und dazugehörige Arbeitsblätter eines Schuljahres gesammelt werden

Zur weiteren Dokumentation dieser Arbeit ist im Laufe der Zeit eine kleine Galerie mit den von den Schülern passend ausgestalteten Gedichten vor unserem Klassenzimmer entstanden.

 

Zusammenfassend lässt sich nach mehrjähriger Erfahrung erkennen, dass diese Arbeitsweise einen sehr wertvollen Leselernprozess für unsere Klasse darstellt, der sich folgendermaßen erklären lässt:

Zum einen lernen die Kinder durch das tägliche Sprechen die Gedichte sehr schnell auswendig, steigern dadurch ihre Merkfähigkeit und Konzentration, was durch die Reimform außerordentlich begünstigt wird. Zum anderen erleichtert die Reimform das Auswendig lernen, das Gedicht ist dadurch „sehr schnell im Kopf“ und dieser Hintergrund ermöglicht dem Schüler, sich auf das Erlesen der einzelnen Worte zu konzentrieren.

 

Bemerkenswert ist, dass die Schüler sich an alle Gedichte der vergangenen Jahre erinnern und mit großer Freude auswendig sprechen können.

 

 

 

 

 

 

 

 


21. Juni: Schulkonferenz

20:00 Uhr, Aula

 

2. bis 6. Juli: Hospitationswoche

für zukünftige FSJler und Sozialpraktikanten

 

7. Juli: Benefizkonzert bei Pflanzen Mauk

20:00 Uhr

 

8. Juli: Bocciaturnier des Rotary Clubs

Bürgerpark Anstatt, ab 11:00 Uhr